Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Sumpf-Engelwurz hat ein begrenztes räumliches Ausbreitungsvermögen und kann daher keine größeren Strecken zwischen vorhandenen Beständen überbrücken. Dies bedeutet: jede Trennung der Lebensräume durch einen Nicht-Lebensraum (z.B. Wald), führt zur Unterteilung in lokale Populationen.

Gefährdungsursachen

Die Sumpf-Engelwurz ist sowohl durch Änderungen in der Nutzung ihrer Wuchsorte gefährdet, als auch durch Veränderungen der Wasserverhältnisse der Standorte.

Land- und Forstwirtschaft

Folgende Bewirtschaftungsmaßnahmen können sich nachhaltig auf Vorkommen der Sumpf-Engelwurz auswirken:


  • Einstellung der traditionellen Nutzung von Feuchtwiesen (meist Mahd)
  • Intensivierung der Nutzung:
    • Meliorationen, die die Wasserverhältnisse verändern
    • Düngung, Umbruch von Grünland in Ackerland
    • Aufforstungen oder andere Bepflanzungen
  • Verlegung des Mahdzeitpunktes:
    • zu früh: Schnitt vor Samenreife
    • zu spät: Gefahr, dass Schilf auf den Feuchtwiesen dominant wird
  • Zu tiefe Pflegeschnitte, ungeeignetes Gerät bei nassen Böden (Bodenverdichtung)
  • Nährstoffeinträge aus angrenzenden, intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen erhöhen den Konkurrenzdruck durch andere Pflanzenarten

Sonstige

  • Veränderungen des Wasserhaushaltes der Standorte durch Meliorationen oder Grundwasserabsenkungen
  • Aufkommen von Neophyten (z.B. Kanadische Goldrute) können die Sumpf-Engelwurz verdrängen
  • Konflikt mit Vogelschutz: während für die Sumpf-Engelwurz eine (zusätzliche) frühe Mahd zur Aushagerung und Verringerung des Konkurrenzdrucks nötig wäre, ist aus ornithologischer Sicht eine Mahd frühestens im Juli möglich
  • Fitnessverlust (verringerter Samenansatz) aufgrund fehlenden genetischen Austauschs besonders bei kleinen Populationen wurde nachgewiesen (Dittbrenner et al. 2005)

Überblick zum Status der Art

SynonymeSumpf-Brustwurz, (Sumpf-) Mutterwurz
FFH-RichtlinieII, IV
Rote Liste Deutschland (Ludwig & Schnittler 1996)2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Bilz et al. 2011)DD (Daten ungenügend)
Verantwortlichkeit (Ludwig et al. 2009)Daten ungenügend, evtl. erhöhte Verantwortlichkeit zu vermuten
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Kontinentale Region: ungünstig – schlecht