Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Vorkommen der Sommer-Drehwurz sind meist nicht besonders individuenreich, da ihr Lebensraum in der heutigen Kulturlandschaft nur noch kleinflächig in ungestörtem Zustand zu finden ist. Die Abgrenzung einer lokalen Population kann somit relativ leicht erfolgen, da jeder einzelne Wuchsort als eigene Population gewertet werden kann. In Lebensräumen mit größeren Vorkommen und kontinuierlicher Verteilung der Individuen kann der Lebensraum als Ganzes als abgrenzbarer Bezugsraum gesehen werden (z.B. das gesamte Moor).

Gefährdungsursachen

Hauptgefährdungsursache für die Sommer-Drehwurz ist die Zerstörung von Kalkquellmooren seit dem 20. Jahrhundert. Vor allem die Aufgabe der Streunutzung als ursprüngliche Bewirtschaftungsweise hat ihren Rückgang vorangetrieben. Das sogenannte Auflassen von Streuwiesen, also die Einstellung der jährlichen Mahd zur Gewinnung von Einstreu in Tierställen, führte dazu, dass höherwüchsige Pflanzen zunahmen und die empfindliche Orchidee mehr und mehr beschattet und verdrängt wurde. Grundsätzlich wirken sich folgende Punkte nachteilig für das Überleben der Sommer-Drehwurz aus:

Land- und Forstwirtschaft

  • Nutzungsaufgabe und Brachfallen von vormals genutzten Flächen. Dies führt dazu, dass spärlich bewachsene Bereiche schnell verschwinden und sich die Wuchsbedingungen für die Orchidee extrem verschlechtern
  • Unzureichende Nutzung der Wuchsorte (eine Mahd im Turnus von 2 Jahren ist zu wenig und bewirkt erhebliche Rückgänge der Individuenzahlen)
  • Ungeeignetes Gerät (z.B. Gerät mit hoher Bodenaufdrucklast) verändert den Standort negativ (Auftreten von Querrinnen und Spurrillen führt zu Veränderungen der Oberflächenhydrologie)
  • Noch immer andauernde Entwässerung der Lebensräume durch Gräben. Schon ein Absenken des Bodenwassers um 10-20 cm kann einen ursprünglich geeigneten Lebensraum sehr nachteilig verändern
  • Die Düngung der Flächen und der Eintrag von Nährstoffen aus angrenzenden Wirtschaftsflächen führen ebenfalls zur Zunahme konkurrenzkräftigerer Pflanzen und zur Verdrängung der Sommer-Drehwurz

Sonstige

  • Die Absenkung des Grundwassers, z.B. infolge von Trinkwassergewinnung, erhöht die Gefahr des Austrocknens der Lebensräume und dadurch die Gefahr des Absterbens der Pflanzen
  • Schädigung der Vorkommen durch natürliche Ereignisse (andauernde Überflutung der Pflanzen, Trockenheit)
  • Trittbelastung der Lebensräume durch Hobby-Fotografen. Besonders bei sehr kleinen Vorkommen kann dieser Belastungsfaktor existenzbedrohend werden

Überblick zum Status der Art

SynonymeSommer-Drehähre, Sommer-Schraubenstendel, Sommer-Wendelähre
FFH-RichtlinieIV
Rote Liste Deutschland (Ludwig & Schnittler 1996)2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Bilz et al. 2011)DD (Daten ungenügend)
Verantwortlichkeit (Ludwig et al. 2007)Daten ungenügend, evtl. erhöhte Verantwortlichkeit zu vermuten
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Kontinentale Region: ungünstig – unzureichend, alpine Region: ungünstig – unzureichend