Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

In Deutschland findet man derzeit noch zehn verbliebene Wuchsorte der Sand-Silberscharte. Eines der bedeutendsten Vorkommen befindet sich in der Nähe von Mainz. Früher handelte es sich bei den Vorkommen in Deutschland möglicherweise um eine große, zusammenhängende Population, die sich während der trocken-warmen Perioden nach der Eiszeit und insbesondere in der Folge menschlicher Aktivitäten (v.a. Waldrodungen) in Mitteleuropa ausbreiten konnte. Im Laufe der Zeit und mit sich ändernden Klimabedingungen sind die Vorkommen vermutlich immer stärker in einzelne Populationen zerfallen. Genetische Untersuchungen zeigen allerdings noch immer eine enge Verwandtschaft der einzelnen Vorkommen zueinander. Derzeit stellt jedes einzelne Vorkommen der Sand-Silberscharte in Deutschland aufgrund der deutlich räumlich voneinander getrennten Wuchsorte eine eigene lokal abgrenzbare Population dar.

Populationen der Sand-Silberscharte können als groß bezeichnet werden, wenn mehr als 100 Rosetten gezählt werden können. Eine vitale Populationsstruktur zeichnet sich durch mehr als 70 % blühende Rosetten und mehr als 50 % fruchtende Pflanzen aus. Auch sollte ein gewisser Anteil an Jungpflanzen vorhanden sein. Die Abgrenzung eines Individuums gestaltet sich eher schwierig, da die Sand-Silberscharte sich zum Teil sehr stark über Wurzelsprosse vegetativ vermehrt und viele Rosetten zu einem Individuum zählen können (Rothmaler et al. 2005).

Gefährdungsursachen

Geeignete Lebensräume für die Sand-Silberscharte entstanden ursprünglich überwiegend durch menschliche Nutzung. Durch Rodung, Brand, Plaggen und Beweidung wurden nährstoffarme Bereiche mit geringem Pflanzenbewuchs geschaffen, an denen sich die Art ansiedeln konnte. In den letzten Jahrzehnten kam es aber zunehmend zur Zerstörung dieser Lebensräume durch die Intensivierung der Landwirtschaft, Bebauung und Aufforstung. Aktuell sind folgende Hauptgefährdungsursachen zu nennen:

Land- und Forstwirtschaft

  • Abbau von Sand und Kies
  • Aufforstung und Bebauung der Wuchsorte
  • Einstellung der Nutzung oder unzureichende Pflege. Damit wird das Auftreten von sich stark ausbreitenden Gräsern, aber auch von Kräutern oder Gehölzen, die in Konkurrenz um Licht zur Silberscharte stehen, gefördert

Sonstige

  • Fehlende Verjüngung und Neubesiedelung von Flächen infolge ungeeigneter Keimbedingungen, v.a. bei zu starkem Konkurrenzdruck durch dichte Krautschicht
  • Verbiss der Blütenstände durch Kaninchen
  • Stickstoffeintrag durch die Luft sowie Abfälle (Grüngutablagerungen und Hundekot) und dadurch vermehrtes Wachstum konkurrierender Pflanzen, was zur Beschattung der Lebensräume führt
  • Herbizideinsatz, z.B. entlang von Bahngleisen
  • Verlust genetischer Diversität in kleinen Populationen
  • In den Mainzer Sanden sind die Pflanzen von einem Pilz befallen. Dadurch welken die Blütenköpfe und vertrocknen
  • Intensive Nutzung der Flächen durch Freizeitaktivitäten (z.B. als Grillplätze)
  • Besammeln der Pflanzen zu Zwecken der Herbarisierung

Überblick zum Status der Art

SynonymeCarduus cyanoides, Jurinea pollichii, Serratula cyanoides
FFH-RichtlinieII, IV, prioritäre Art
Rote Liste Deutschland (Ludwig & Schnittler 1996)2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Bilz et al. 2011)LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Ludwig et al. 2007)Besondere Verantwortlichkeit für hochgradig isolierte Vorposten
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Atlantische Region: günstig, kontinentale Region: ungünstig – unzureichend