Bundesamt für Naturschutz

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Erhaltungsmaßnahmen

Handlungsempfehlungen zur Erhaltung der lokalen Population des Böhmischen Enzians

Um Beeinträchtigungen durch Bewirtschaftung zu verhindern bzw. zu minimieren werden folgende Maßnahmen empfohlen:

Landwirtschaft

  • Optimal ist die Weidenutzung durch Rinder, Pferde oder Schafe und Ziegen. Dabei sollte zumindest bei den kleinen Restvorkommen in Deutschland eine Weideruhe während der Hauptentwicklungsphase des Enzians im Juli und August eingehalten werden
  • Auf gemähten Flächen sollte der erste Schnitt lokal abgestimmt vor dem Längenwachstum des Blütenstandes des Enzians stattfinden. Eine erste Mahd Mitte Juni ist meist günstig, je nach Jahr und Wuchsort kann dies aber auch zu spät sein. Nach der Fruchtreife im Herbst sollte eine zweite Mahd oder eine Nachbeweidung stattfinden. Keinesfalls darf während der Blüte- bzw. Samenreifezeit gemäht werden (siehe Ökologie & Lebenszyklus)
  • Auch in Grenzertragslagen ist die Fortführung der Bewirtschaftung durch die Landwirte erforderlich

Forstwirtschaft

  • Keine neuen Aufforstungen

Allgemein gilt

  • Dauerhafte Nachahmung der traditionellen Grünlandnutzung durch Beweidung oder Mahd sind unerlässlich

Sonstige Maßnahmen

  • Regelmäßige Bestandszählungen an den bekannten Enzianwuchsorten
  • Erhaltungskulturen wurden bereits in mehreren Botanischen Gärten angelegt (Ökologisch-Botanischer Garten Bayreuth, Botanischer Garten Adorf und München, sowie im Stadtgartenamt Straubing). Dabei werden Samen für Aussaaten an den ursprünglichen Wuchsorten gewonnen
  • Aufnahme von Saatgut der deutschen Populationen in eine Samenbank („Genreserve Bayern“)
  • Freischneiden einzelner Pflanzen bei dichter Pflanzendecke, kleinflächige Freilegung von Boden, um Lücken für Keimung und Wachstum der Jungpflanzen zu schaffen und Unterstützung der Samenproduktion durch kontrolliertes Übertragen von Pollen (Dolek et al. 2010)
  • Durchführung populationsökologischer Untersuchungen zum Böhmischen Enzian durch Forschungseinrichtungen. In allen Ländern, in denen der Böhmische Enzian vorkommt, gibt es bereits Artenhilfsprogramme und Austausch von Erfahrungen und Forschungsergebnissen untereinander
  • Eine intensive Zusammenarbeit zwischen Bewirtschaftern/Eigentümern und Fachleuten ist nötig, um eine optimale Pflege zu gewährleisten