Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Im Allgemeinen gelten ausgewachsene Rotbauchunken als relativ ortstreu. Die Entfernung zwischen Laichgewässer und Winterquartier überschreitet nur selten 500 m, die Mehrzahl der Überwinterungsplätze liegt vermutlich näher. Allerdings können je nach Art und Weise der Landnutzung in Einzelfällen auch größere Strecken (> 1 km) überwunden werden (Schneeweiß 2009). Demgegenüber sind die Jungtiere vergleichsweise mobil. Nachdem sie das Wasser verlassen haben, legen sie vagabundierend große Strecken zurück, dabei werden z.T. entfernter liegende Gewässer neu besiedelt.

Im Unterschied zu anderen Amphibienarten sind bei der Rotbauchunke auch während der Laichzeit Wanderbewegungen festzustellen: die Tiere „pendeln“ zwischen verschiedenen Lebensräumen (vorwiegend Gewässern) hin und her (Günther & Schneeweiß 1996). Hierbei können mehrere hundert Meter zurückgelegt werden.

Für kleinere Populationen (< 50 Tiere) ist nach Experteneinschätzung ein Aktionsradius der lokalen Population von ca. 500 m anzunehmen. Liegt der Gewässerverbund bei einer entsprechend größeren Population mehr als 1.500 m vom nächsten Vorkommen entfernt, ist von einer schlechten Vernetzung und somit von getrennten lokalen Populationen auszugehen. Die Angaben bei Schmidt (2006) zur Bewertung der Wertigkeit der Vernetzung liegen im gleichen Bereich.

Gefährdungsursachen

Die Rotbauchunke ist hauptsächlich durch den Verlust geeigneter Laich- und Nahrungsgewässer und die moderne landwirtschaftliche Nutzung gefährdet.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Folgende Maßnahmen der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft können sich nachhaltig auf Vorkommen der Rotbauchunke auswirken:


  • Entwässerung und vollständige Vernichtung von Feuchtgebieten und Kleingewässern – sowohl auf Agrarflächen, z.B. als Folge weiterer Flächenausweitungen zur Erzeugung z.B. von nachwachsenden Rohstoffen, als auch in Wäldern (Landlebensraum)
  • Lebensraumverlust durch Umwandlung von Grünland in Ackerland
  • Grünlandnutzung mit großen Düngergaben, 4-5 Schnitten, Walzen, Spritzmitteleinsatz und Vereinheitlichung der Standortbedingungen (ackerähnliche Nutzung) – oft bis an den Gewässerrand; verstärkte Nährstoffanreicherung und damit schnellere Verlandung. Chemische Unkrautbekämpfungsmittel beeinträchtigen das Wachstum bestimmter, für Amphibienlarven wichtiger Algen (Verschiebung des Artenspektrums, s. Briggs & Damm 2004)
  • Nährstoffanreicherung in den Laich- und Nahrungsgewässern bis zur Überdüngung der Gewässer als Folge der Nährstoffeinträge über Wasserzufluss (Drainagen) und Windverdriftung
  • Direkte Schädigung durch mineralische Düngung bei Hautkontakt (i.d.R. mit Todesfolge), besonders problematisch bei wandernden Tieren. (Lesen Sie mehr zur dieser Problematik unter „Gefährdungsdispositionen Amphibien“)
  • Landwirtschaftliche Chemikalien: sehr hohe Empfindlichkeit gegenüber Spritzmitteln (Greulich & Herrmann 2004)
  • Mit Besatzmaßnahmen verbundene fischereiliche und angelsportliche Nutzung der Laichgewässer
  • Aufgabe der Fischbrutproduktion in der Karpfenzucht führt zum Verlust der für die Rotbauchunke nutzbaren K1-(Karpfen-)Aufzuchtteiche (z.B. in der Lausitz)
  • Aufgabe der Uferbeweidung mit zunehmender Beschattung der Gewässer durch aufwachsende Gehölze
  • Überweidung mit der Folge der Überdüngung der Gewässer und Zerstörung des Wasserpflanzenbewuches
  • Winterliche Waldnutzung insbesondere mit schweren Erntemaschinen; aufgrund der gemeinsamen Nutzung von Winterquartieren durch viele Individuen besteht ein erhöhtes Gefährdungspotenzial
  • Verlust vielfältiger Landschaften; Beseitigung von Kleinstlebensräumen mit Bedeutung als Winterquartier (Steinhaufen, Stubben etc.)
  • Fortschreitende Verlandung oder Verschlammung der Laich- und Nahrungsgewässer

Sonstige

  • Deichneubau bzw. Deichsanierung in den großen Flussauen; auch Deichrückverlegungen sind aus Sicht der Rotbauchunke nicht uneingeschränkt positiv zu bewerten, da geeignete Lebensräume im Hinterland (Qualmwasser) verloren gehen; im Vorland ist mit Verlusten durch den Fraßdruck durch Fische zu rechnen, zumal, wenn dort auentypische, zeitweilige Überflutungen nicht akzeptiert werden
  • Zerschneidung der Landschaft und damit räumliche Trennung der Vorkommen
  • Illegale Aussetzungen von Rotbauchunken: genetische Vermischung mit unterschiedlicher Fitness, Verschleppung von Krankheitserregern (Chytridiomykose: Lesen Sie mehr zu den Auswirkungen der neuartigen Pilzerkrankung unter „Gefährdungsdispositionen Amphibien“)
  • Fische: natürliche Einwanderung von Kleinfischen (Stichlinge, Karausche, Moderlieschen) bei Überflutungsereignissen; Fischbesatz durch Hobbyangelei
  • Winterlicher Rückbau von Gleisanlagen inkl. Schotterkörper kann zum Verlust von Überwinterungsgruppen führen
  • Illegaler Tierfang: werden als Nachzucht ausgewiesen zum Kauf angeboten

Überblick zum Status der Art

SynonymeTieflandunke, Teichunke, Feuerkröte, Feuerbrotze
FFH-RichtlinieII, IV
Rote Liste Deutschland (Kühnel et al. 2009)2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Cox 2009)LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Kühnel et al. 2009)-
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Atlantische Region: ungünstig – schlecht, kontinentale Region: ungünstig – schlecht