Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Generell gilt der Laubfrosch als vergleichsweise wanderfreudig. Insbesondere die Jungtiere sind in der Lage, neu geschaffene Gewässer schnell zu besiedeln. Wandernde Laubfrösche können dabei Strecken von mehreren Kilometern zurücklegen. Clausnitzer & Berninghausen (1991) berichten von mehr als 10 km, die in 2-3 Jahren überbrückt wurden. Die zurückgelegten Entfernungen bei den saisonalen Wanderungen zwischen den verschiedenen Teillebensräumen Laichgewässer, Sommerlebensraum und Winterquartier liegen dagegen in der Regel im Bereich von wenigen 100 m. Allerdings können Sommerlebensräume im Extremfall auch bis zu 3 km entfernt liegen (Fog 1993).

Bei der Abgrenzung der lokalen Population ist zu beachten, dass langfristig überlebensfähige Vorkommen aus mehreren Teilpopulationen bestehen, die räumlich voneinander getrennt sind und einer unterschiedlichen Entwicklungsdynamik unterliegen. Kennzeichnend für diese strukturierten Populationen ist, dass lokale kleinräumige Aussterbeereignisse immer wieder erfolgen können und langfristig durch Wiederbesiedlung mittels Einwanderung von Tieren benachbarter Vorkommen (Rekolonisierung) ausgeglichen werden. Dabei kommt auch den aktuell unbesiedelten, aber prinzipiell geeigneten Lebensräumen eine wichtige Rolle zu. Entscheidend ist, dass der Populationsverbund als Ganzes überlebensfähig ist.

Liegt der Gewässerverbund einer intakten lokalen Population (bestehend aus mehreren Teilpopulationen) mehr als 2.000 m vom nächsten Vorkommen entfernt, ist nach Expertenmeinung von einer schlechten Vernetzung und somit von getrennten lokalen Populationen auszugehen. Sind Barrieren, wie etwa verkehrsreiche Straßen vorhanden, ist dieser Richtwert nach unten zu korrigieren.

Gefährdungsursachen

Der Laubfrosch ist hauptsächlich durch die Veränderung und Zerstörung seiner Lebensräume und die Verinselung der Vorkommen gefährdet.

Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft

Folgende Maßnahmen der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft können sich negativ auf Vorkommen des Laubfroschs auswirken:


  • Direkte Zerstörung der Laichgewässer und Landlebensräume durch wasserbauliche Maßnahmen (Grundwasserabsenkung), Melioration (Verbesserung der Bodeneigenschaften zur landwirtschaftlichen Nutzung, z.B. durch Entwässerung von Feuchtgebieten) und Umwandlung von Grünland in Ackerland
  • Verlust geeigneter Laichplätze durch:
    • Verlandung, Verbuschung, Verschattung – wird durch Nährstoffanreicherung im Gewässer beschleunigt (Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft)
    • Fischbesatz/Angelnutzung bzw. Fischzucht
    • veränderte Bewirtschaftung in Teichlandschaften: hier besteht eine Bindung des Laubfroschs an K1-Aufzuchtteiche für Karpfen. Aufgrund des Wegfalls von EU- bzw. Landes-Förderung aktuell vermehrte Aufgabe der Fischbrutproduktion (z.B. in der Lausitz)
  • Verlust vielfältig gegliederter Landschaften (dort können selbst Laichgewässer in Äckern genutzt werden)
  • Flächendeckende Nutzung der Landlebensräume: Verlust von vertikalen Lebensraumelementen (Sitzwarten), Sonderstrukturen (Brombeergebüsche, Steinhaufen etc.), unzureichendes Nahrungsangebot für die Frösche
  • Höherer Nutzungsdruck im Winterquartier – Feldgehölze, Hecken, Wald (Sammlung von Totholz, Ganz-Baum-Nutzung inkl. Stubben mit schweren Maschinen etc.)
  • Beeinträchtigung durch Spritzmittel und Mineraldünger: direkt bei der Anwanderung, indirekt im Gewässer
  • Zunahme des Maisanbaus zur Biomasseproduktion; im Gewässerumfeld ist Mais ein artspezifischer Sommerlebensraum, insbesondere von Jungtieren, die dort durch Spritzmittel indirekt und vermutlich auch durch die Ernte direkt gefährdet sind
  • Distelmahd auf Brachflächen, beliebter Aufenthaltsort der Jungtiere

Sonstige

  • Nicht angepasste Folgenutzung von Abbaustellen (z.B. Verfüllung)
  • Zunehmende Zerschneidung der Landschaft und damit räumliche Trennung von Teilpopulationen (eingeschränkter Genaustausch, geringe Ausbreitungschancen)
  • Errichtung von Verkehrswegen und Baugebieten: kein Schutz durch stationäre Amphibienschutzanlagen an Straßen möglich
  • Verlust dynamischer Auenlandschaften (Sommerdeichsystem, Eintiefung der Flusssohle)
  • Als Spätlaicher durch Grundwasserabsenkungen, verändertes wasserbauliches Regime an größeren Flüssen (z.B. Rhein) und Landschaftsentwässerung mit schneller Abführung der Winterniederschläge über Drainagen und Gräben stark betroffen
  • Gefahr des zu frühen Austrocknens der Laichgewässer infolge der zunehmenden Frühjahrs- und Sommertrockenheit als Folge des Klimawandels
  • Nicht angepasstes Wassermanagement in Poldern
  • Jagd: Kirrungen (Wildfütterungen) an Gewässern, Nährstoffanreicherung und Anlockung von Fressfeinden
  • Entnahme, Verfrachtung, Aussetzung von Tieren (beinhaltet auch sog. Wiederansiedlungen, die fachlich nicht fundiert sind und wissenschaftlich nicht begleitet werden) – Einschleppung von Krankheiten, Verlust genetischer Eigenständigkeit

Überblick zum Status der Art

SynonymeGrünrock, Laubkleber, Wetterfrosch, Baumfrosch, Heckenfrosch
FFH-RichtlinieIV
Rote Liste Deutschland (Kühnel et al. 2009)3 (Gefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Cox 2009)LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Kühnel et al. 2009)-
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Atlantische Region: ungünstig – unzureichend, kontinentale Region: ungünstig – unzureichend, alpine Region: ungünstig – unzureichend