Bundesamt für Naturschutz

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Lokale Population & Gefährdung

Abgrenzung der lokalen Population

Die Mehrzahl der Hauptvorkommen befindet sich heutzutage in von Menschen geschaffenen Ersatzstandorten (z.B. in Abbaugebieten und auf militärischen Übungsplätzen). Adulte Gelbbauchunken gelten – solange entsprechende Gewässerlebensräume verfügbar sind – als vergleichsweise ortstreu (Nöllert & Günther 1996). Demgegenüber wandern Jungtiere und fast ausgewachsene Unken auf der Suche nach neuen Lebensstätten über größere Strecken, wobei die von Blab (1986) nachgewiesene Entfernung von bis zu 4 km eine Maximalgröße darstellen dürfte (Nöllert & Günther 1996). Die in Gollmann & Gollmann (2002) zusammengestellten Daten zu Weitwanderungen von ausgewachsenen Tieren und abwandernden Jungtieren deuten darauf hin, dass sich die meisten Wanderbewegungen in einem Radius von 1.000 bis 1.500 m abspielen.

Eine schlechte Vernetzung liegt nach Experteneinschätzung dann vor, wenn der Gewässerverbund einer lokalen Population mehr als 1.500 m vom nächsten Vorkommen entfernt liegt. In diesem Fall ist von getrennten lokalen Populationen auszugehen. Zu ähnlichen Einschätzungen kommt auch Schmidt (2006). Hier werden < als 1.000 m als optimale, 1.000-2.000 m noch als gute Vernetzung zwischen Vorkommen angegeben.

Als Ausbreitungskorridor nehmen Fließgewässer und Gräben, insbesondere entlang von Waldwegen, eine besondere Bedeutung ein.

Gefährdungsursachen

Die Gelbbauchunke ist hauptsächlich durch den Verlust geeigneter Laichgewässer und die Verinselung der Vorkommen gefährdet.

Land- und Forstwirtschaft

Folgende Maßnahmen der Land- und Forstwirtschaft können sich auf Vorkommen der Gelbbauchunken auswirken:

Landwirtschaft

  • Befestigung von Wirtschaftswegen
  • Beseitigung von wasserhaltenden Fahrspuren
  • Entwässerung von Feuchtgebieten
  • Beseitigung von Kleinstrukturen wie feuchten Mulden, Stein- und Reisighaufen, Brachen oder Hecken in Agrarlandschaften
  • Aufgabe von nicht oder wenig gedüngten Weideflächen und Umwandlung von Weide- in Ackerland

Forstwirtschaft

  • Befestigung von Forstwegen (inklusive Erhöhung und Verfüllung von Wagenspuren)
  • Graben- und Wegeunterhaltung
  • Waldbewirtschaftung in Form von Reinbeständen mit nicht standortheimischen Gehölzen
  • Entwässerung von Sonderstandorten (Verlust von Kleingewässersystemen)
  • Aufforstung von Windwurfflächen und Einebnung der angehobenen Wurzelteller
  • Hoher Nutzungsdruck im Winterquartier (Ganz-Baum-Nutzung inkl. Stubben etc.)
  • Mangel an Freiflächen und Beseitigung von Rückespuren im Bestand (Anm.: Letzteres ist für Zertifizierung von Forstbetrieben zwingend notwendig, aber deutlicher Konflikt mit Zielen des Gelbbauchunkenschutzes)
  • Waldkalkung durch die Förderung stickstoffanreichernder Prozesse (Düngewirkung) und die Beschleunigung des Pflanzenwachstums auf Wegeböschungen, Lichtungen und in Schonungen

Sonstige

  • Verfüllen von potentiellen Laichgewässern, Entwässerung von Feuchtgebieten oder staunassen Bereichen
  • Fehlende Dynamik in Auen und in der Kulturlandschaft, die zum Entstehen neuer Kleinstgewässer beiträgt
  • Stilllegung von militärischen Übungsplätzen und Abgrabungen und in der Folge die natürliche Wiederbewaldung bzw. deren Rekultivierung mit Zielsetzung Wiederbewaldung oder Wiederaufnahme einer landwirtschaftlichen Nutzung
  • Veränderte Abgrabungstechniken (keine Kleinabgrabungen mehr, Zunahme der Abbaugeschwindigkeit, Tiefabbau), d.h. großmaschineller Abbau in den Abgrabungen mit regelmäßiger Beseitigung von Kleingewässern und schneller Wiederbefüllung
  • Flächendeckende Nährstoffanreicherung (beschleunigtes natürliches Pflanzenwachstum hin zu dichten Kraut- bzw. Gehölzbeständen)
  • Zerschneidung der Landschaft (z.B. Verkehrswegebau) und Flächeninanspruchnahme und damit räumliche Trennung verschiedener Lebensgemeinschaften
  • Illegale Entnahme von Tieren für Nachzuchten
  • Aussetzen von Terrarientieren (oftmals mit unbekannter Herkunft) mit dem Risiko des Verlusts der genetischen Eigenständigkeit und der Einschleppung von Krankheiten

Überblick zum Status der Art

SynonymeBergunke, Gebirgsunke
FFH-RichtlinieII, IV
Rote Liste Deutschland (Kühnel et al. 2009)2 (Stark gefährdet)
Rote Liste Europa (Temple & Cox 2009)LC (Nicht gefährdet)
Verantwortlichkeit (Kühnel et al. 2009)In hohem Maße verantwortlich, für die in Deutschland vorkommende Nominatform (Unterart) B. v. variegata in besonders hohem Maße verantwortlich
Erhaltungszustand in den biogeografischen Regionen gemäß Nationaler Bericht 2013Atlantische Region: ungünstig – schlecht, kontinentale Region: ungünstig – schlecht, alpine Region: ungünstig - unzureichend